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05.11.2008
Die amerikanische Aufbruchstimmung wird in der Welt nachempfunden
Eckart von Klaeden
Interview im ZDF-Morgenmagazin
Im Interview mit dem ZDF-Morgenmagazin setzt der außenpolitische Sprecher Eckart von Klaeden für die transatlantischen Beziehungen auf die Aufbruchstimmung, die von der Wahl Barack Obamas ausgeht. Deutschland und Europa können dem neuen Präsidenten selbstbewusst gegenübertreten, sagte der CDU-Politiker.

Frage: Was ändert sich mit diesem amerikanischen Präsidenten, mit dem ersten schwarzen Präsidenten, im Verhältnis zu den Alliierten und im Verhältnis zu Deutschland?


Klaeden: Ich vermute, dass die Veränderungen geringer sein werden, als sie im Augenblick angenommen werden. Denn auch George Bush ist in seiner zweiten Amtszeit zu dem Prinzip des Multilateralismus zurückgekehrt...


Diese Aufbruchstimmung für die Vereinigten Staaten selber ist auch eine Stimmung, die in der Welt nachempfunden wird. Dieser neue Ruf, diese deutliche Rufverbesserung der Vereinigten Staaten, die mit der Wahl von Obama einhergehen kann, sollte von uns allen jetzt genutzt werden. Unsere Aufgabe muss es jetzt in den kommenden Wochen und Monaten sein, in den wichtigen Fragen, die uns betreffen, nach Washington zu fahren, unsere Vorstellungen vorzutragen und uns zu überlegen, wo wir mit der künftigen Administration zusammenarbeiten können.


Das ist nicht nur die Frage der Finanz- und Wirtschaftspolitik, sondern auch Afghanistan, Iran, Irak, aber vor allem ist für uns der Nahe Osten ganz besonders wichtig - es darf nicht dazu kommen, dass Obama den Fehler wiederholt, den seine beiden Vorgänger gemacht haben, sich nämlich erst zum Ende ihrer jeweiligen Amtszeit dieser Frage zu widmen -, und die Russland-Politik...


Frage: ... Obama wird man doch schwer abschlagen können, wenn er sagt, ich brauche 3.000 Soldaten mehr von der Bundeswehr in Afghanistan.


Klaeden: Bei allem Beeindruckenden, was mit Obama einher kommt - er ist eine beeindruckende Persönlichkeit mit einem beeindruckenden Lebenslauf nach einem beeindruckenden Wahlkampf -, ist es doch so, dass über den Einsatz deutscher Soldaten die Bundesregierung und der Deutsche Bundestag entscheiden. Das tun wir in der Wahrnehmung unserer eigenen Verantwortung, egal, welche Wünsche ein künftiger US-Präsident an uns herantragen wird.


Ich glaube aber auch, dass diese Sorge übertrieben ist (und) dass er nicht bei seiner ersten Europa-Reise oder der ersten Begegnung mehr deutsche Soldaten fordern wird. Da können wir, glaube ich, etwas selbstbewusster sein. Wir leisten einen wichtigen Beitrag in Afghanistan. Den werden wir fortsetzen.


Die Fragen stellte Peter Frey.