Frage: Barak Obama in Berlin. Eine knappe halbe Stunde hat er gestern Abend geredet; vor der Siegessäule, im Beisein von rund 200.000 Menschen. Wo haben sie die Rede mitverfolgt?
Von Klaeden: Ich war in meinem Büro.
Frage: An den Auftritt sind ja im Vorfeld hohe Erwartungen gestellt worden. Da hatten wir ja alle in den letzten Tagen genügend Zeit und Muße darüber nachzudenken. Sie haben die Euphorie im Vorfeld etwas gebremst. Hat er Sie gestern Abend überzeugt, ein guter US-Präsident zu sein im Sinne Deutschlands, bzw. Europas?
Klaeden:Jedenfalls hat er eine Rede gehalten wie ich sie erwartet habe. Und ich fand, dass es in der Tat eine bemerkenswerte Rede gewesen ist. Aber ich habe vorher auch darauf hingewiesen, und habe mich darin auch bestätigt gesehen, dass es eben in erster Linie eine Wahlkampfrede war, die zwar zu uns Deutschen gesprochen wird, aber an die Amerikaner gerichtet ist. Es ist noch nicht die Rede eines gewählten amerikanischen Präsidenten gewesen, sondern eines Kandidaten der sich im Wahlkampf befindet. Das soll die Rede und den Auftritt nicht schmälern, aber erleichtert die Einordnung. Denn in den Pressestimmen ist ja eben oft mal deutlich geworden, es ist doch viel Euphorie dabei, und wenn die Euphorie übertrieben wird – heute Morgen im Deutschlandfunk habe ich zum Beispiel in der Morgenandacht gehört, dass eine Oberkirchenrätin Obama in Berlin mit dem Apostel Paulus in Athen verglichen hat – dann ist das, finde ich, so übertrieben - was man ihm nicht anrechnen kann - aber was dann notwendigerweise zu Enttäuschung führen muss.
Frage: Positive Resonanz kam gestern sowohl SPD-, als auch von Unions-Politikern, eben auch von Ihnen. Die Botschaft sei gewesen, die Probleme der Welt sind in den Griff zu bekommen, wenn Europa und die USA zusammenstehen. Das würde ja im Umkehrschluss bedeuten, mehr Verantwortung für uns. Aber das wollen wir doch gar nicht, zumindest nicht, was das militärische Engagement angeht?Klaeden: Er hat gesagt, zusammenstehen bedeutet eben auch die Bereitschaft, gemeinsam Lasten zu tragen und gemeinsam Opfer zu bringen. Und damit hat er auf ziviles, aber auch militärisches Engagement, nicht nur in Afghanistan, angespielt. Sondern er hat ja zum Beispiel auch Darfur genannt, er hat Bangladesh genannt. Also er ist im Grunde einmal rund um den Globus gegangen und hat dort diesen Anspruch formuliert. Und das wird man sich eben im Detail genau ansehen müssen was es bedeutet.
Frage: Kooperation statt Konfrontation, so hat Bundesaußenminister Steinmeier das Verhältnis gestern nach seiner Unterredung beschrieben. Wäre das wirklich etwas völlig Neues in der Geschichte in der europäisch-amerikanischen Beziehungen oder nur die Rückkehr zur Vor-Bush-Ära?
Klaeden:Ich bin da ein bisschen erstaunt, dass Außenminister Steinmeier dieses Bild gewählt hat. Ich vermute auch einmal, dass es auch etwas aus dem Zusammenhang gerissen ist, denn ich hatte eigentlich bisher den Eindruck, dass er mit der derzeitigen Außenministerin der Vereinigten Staaten, Condolezza Rice, gut zusammenarbeitet, dass wir eine gute Kooperation mit der derzeitigen Administration in Washington haben. Wenn Sie zum Beispiel an die Zusammenarbeit in der Iran-Frage denken. Nach meinem Eindruck ist der wesentliche Unterschied zwischen der ersten und der zweiten Bush-Administration zu sehen. In seiner zweiten Amtszeit ist auch Präsident George Walker Bush wieder zu dem alten Prinzip zurückgekehrt, so viel Multilateralismus wie möglich und so viel Unilateralismus wie nötig. Das wird ein Prinzip sein, dem jeder amerikanische Präsident folgt. Und jeder amerikanische Präsident, jedenfalls die letzten, auch die demokratischen Präsidenten, haben es für nötig gehalten, militärische Gewalt einzusetzen, auch gegen oder jedenfalls ohne Abstimmung mit ihren Verbündeten. Wenn sie zum Beispiel an den Angriff von Clinton auf Libyen denken oder an die Militäroperation im Iran von Carter, zur Befreiung der Geiseln in der US-Botschaft, die ja leider gescheitert ist. Und das wird bei Barak Obama auch so sein. Das muss man sich einfach nur klar machen, damit man hinterher nicht zu sehr enttäuscht ist.
Frage: Das heißt also, Ihrer Meinung nach bedarf es keiner Verbesserung des transatlantischen Bündnisses?
Klaeden: Nichts ist so gut, dass es nicht besser sein kann. Aber ich glaube, dass die, oder ich vermute, dass bei einem Präsidenten Obama, und das gilt übrigens auch für seinen Gegenkandidaten McCain, es nicht den substantiellen Wechsel geben wird den jetzt viele erwarten, ohne genau sagen zu können, was sie tatsächlich konkret damit verbinden. Ich vermute, dass sowohl Obama als auch McCain was das transatlantische Verhältnis angeht, zu 80, 85 Prozent die Politik der zweiten Bush-Administration fortsetzen werden. Es wird Fragen geben wo wir vielleicht schneller zueinander finden, wie zum Beispiel beim Klimaschutz. Es wird andere Fragen geben wo es vielleicht mehr Differenzen gibt, wenn ich zum Beispiel an Handels- oder Wirtschaftsfragen denke. Deswegen warne ich vor zu viel Euphorie, die dann hinterher nur zu Enttäuschung führt.
Die Fragen stellte Sabine Hackländer.