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19.08.2009
"Keine kurzfristige Lösung"
Interview in der Thüringer Allgemeinen
Eckart von Klaeden, außenpolitischer Sprecher der Unionsfraktion, warnt vor einem voreiligen Abzug aus Afghanistan.
Wie sinnvoll ist eine schnelle Beendigung des Bundeswehr-Einsatzes in Afghanistan?

Das wäre gar nicht sinnvoll.

Würde man die Anstrengungen der letzten Jahre entwerten, wenn man die Truppen zu früh abziehen würde?

Nicht nur entwerten: Wir würden uns selbst schaden. Insbesondere würden wir die zahlreichen Erfolge bei der Stabilisierung Afghanistans preisgeben, wie etwa beim Aufbau der Infrastruktur, Trinkwasserversorgung, Bau von Schulen. Und wir würden die Afghanen wieder in die Arme der Taliban treiben, die dann wieder ihr von Terror und Gewalt geprägtes Regime errichten würden.

Welcher Zeitraum ist denn überhaupt realistisch?

Es wäre unseriös, sich jetzt auf einen Zeitpunkt festzulegen. Klar ist, dass es für Afghanistan keine kurzfristige Lösung geben kann und wird. Der Erfolg in Afghanistan hängt von vielen Faktoren ab, die wir nicht allein beeinflussen können.

Zum Beispiel?

Die Frage etwa, wie es mit dem Aufbau demokratischer sowie wirtschaftlicher Strukturen und der Bildung einer neuen Regierung vorangeht oder wie erfolgreich unsere Verbündeten sind.

Haben Sie Sorge, dass das zum Wahlkampfthema wird?

Nein, das habe ich nicht. Wenn das Thema die Wähler beschäftigt, dann muss man darüber reden, auch im Wahlkampf. Wichtig ist nur, daß man das seriös tut.

Gibt es einen Plan für ein Abzugsszenario?

Was für das Kosovo gilt, gilt in dieser Hinsicht auch für Afghanistan: Je stabiler die Lage, desto eher können die ausländischen Soldaten das Land verlassen.

Also ein schrittweiser Abzug?

Aber erst, wenn die Lage ausreichend stabil ist. Je mehr die afghanischen Sicherheitskräfte in der Lage sind, für Sicherheit zu sorgen, desto geringer für uns die Notwendigkeit, dort präsent zu sein. Das erreichen wir aber nur, wenn wir die Afghanen nicht im Stich lassen.

 

Gespräch: Steffi DOBMEIER