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17.09.2008
Verlängertes Mandat für UNIFIL
Rede in der Debatte

zum Antrag der Bundesregierung auf Fortsetzung der Beteiligung bewaffneter deutscher Streitkräfte an der „United Nations Interim Force in Lebanon (UNIFIL)“ auf Grundlage der Resolutionen 1701 (2006) und 1832 (2008) des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen vom 11. August 2006 bzw. 27. August 2008.

 

Das Ergebnis der namentlichen Abstimmung

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren Kollegen!


Was die Lage im Libanon sowie die Wirksamkeit und den - wenn auch beschränkten - Erfolg der UNIFIL-Mission angeht, beziehe ich mich auf das, was der Kollege Mützenich beschrieben hat. Ich glaube, er hat die Situation einfühlsam und zutreffend dargestellt. Versetzen wir uns in die Zeit von vor zwei Jahren zurück, als wir das erste Mal über das Mandat abgestimmt haben. Wir haben damals angesichts der Schwierigkeiten nicht angenommen - das gilt jedenfalls für die Kolleginnen und Kollegen meiner Fraktion sowie des Koalitionspartners im Auswärtigen Ausschuss -, dass das Mandat so erfolgreich sein wird, wie es heute ist. Das kann man bei allen Schwierigkeiten, die hier geschildert worden sind, feststellen.


Welches sind die wesentlichen Einwände gewesen, Frau Kollegin Homburger?  Es sind nicht diejenigen gewesen, die Sie eben neu vorgetragen haben. Der wesentliche Einwand der FDP vor zwei Jahren ging auf einen verquasten Neutralitätsbegriff und die Sorge zurück, dass Deutschland durch die Entsendung der Marine Partei im Nahostkonflikt werden könnte. Das hat sich eindeutig als falsch erwiesen. Sowohl die israelische Regierung als auch die libanesische Regierung begrüßen das Mandat und unser Engagement und halten es für richtig, dass wir uns nicht nur mit der Bundesmarine auf der Seeseite engagieren, sondern dass wir auch die langsamen Fortschritte bei der Grenzsicherung mit Bundespolizei und anderen unterstützen. Ich fände es gut, wenn die FDP angesichts dieser Entwicklung in der Lage wäre, zu sagen: Die Entwicklung hat sich anders dargestellt, als wir befürchtet haben, und


(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)


deswegen sind wir bereit, zuzustimmen.


Ihr Generalsekretär, Frau Homburger, hat Ihrer Fraktion schon vor einem Jahr empfohlen, dem Mandat zuzustimmen, weil diese Entwicklung vor einem Jahr schon abzusehen war. Wenn man einmal die Zustimmung bzw. Ablehnung vonseiten der FDP in Bezug auf die Auslandseinsätze der Bundeswehr betrachtet, muss man bedauerlicherweise feststellen, dass Sie gerade die erfolgreichsten Einsätze - nämlich die in Mazedonien, im Kongo und im Rahmen von UNIFIL - ablehnen. Wenn man sich Ihre Zustimmung bzw. Nichtzustimmung zu den Afghanistaneinsätzen vor Augen führt, erkennt man, dass diese nicht einer klaren Linie folgt, sondern eher der eines Riesenslaloms gleicht. Das ist keine verantwortungsvolle außenpolitische Position.


(Beifall bei der CDU/CSU und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD)


Das zweite Argument, das immer zu hören gewesen ist, war das der angeblichen Militarisierung unserer Außenpolitik. Dieses wird mit besonderer Vorliebe von der Linken vorgetragen. Wie man allerdings von einer Militarisierung der Außenpolitik sprechen kann, wenn wir helfen, Waffenschmuggel in den Libanon auf der Seeseite zu unterbinden


(Wolfgang Gehrcke (DIE LINKE): Es gab gar keinen Waffenschmuggel!)


und die Landesgrenze zu sichern, wird auf lange Zeit das Geheimnis der Linkspartei bleiben.


Der dritte Einwand ist vor zwei Jahren immer wieder gewesen, dass es keinen politischen Prozess gibt, in den der Einsatz eingebettet ist. Auch wir haben vor zwei Jahren gesagt, dass ein Waffenstillstand - wie der Kollege Mützenich zutreffend ausgeführt hat - Voraussetzung dafür ist, dass dieser politische Prozess beginnen kann. Dieser ist in der UN-Resolution 1701 entsprechend beschrieben. Wir können heute feststellen, dass dieser politische Prozess trotz aller Schwierigkeiten begonnen hat und dass der UNIFIL-Einsatz eine nicht hinwegzudenkende Voraussetzung für diesen politischen Prozess ist.


Es gibt im Libanon wieder einen Präsidenten. Es gibt Kontakte zwischen Israel und Syrien sowie zwischen dem Libanon und Syrien. Wir haben die Annapolis-Konferenz, die, wenn Sie die Dinge etwas mehr im Zusammenhang beurteilen würden, Frau Homburger, Ihrem Vorschlag einer Konferenz für den Nahen Osten nach dem Vorbild der KSZE relativ nahe kommt. Wir haben es mit einem schwierigen Prozess zu tun. Deswegen kann ich verstehen, dass der eine oder andere sagt, es ginge ihm nicht schnell genug. Aber gerade in dieser schwierigen Situation brauchen wir Geduld.


Das Abkommen von Doha vom 21. Mai dieses Jahres ist ein weiterer wichtiger Schritt in diesem Prozess. Es ist gelungen, im Libanon eine Regierung der nationalen Einheit zu bilden. Der bisherige Kommandant der libanesischen Armee, Michel Suleiman, ist zum Präsidenten gewählt worden. Für die im nächsten Jahr anstehenden Parlamentswahlen soll ein Wahlgesetz verabschiedet werden. In den innenpolitischen Auseinandersetzungen soll auf Gewalt verzichtet werden, und die Milizen sollen entwaffnet werden. Diese Punkte sind noch nicht alle durchgesetzt, aber sie sind beschlossen, und die wesentlichen innenpolitischen Kräfte im Libanon haben sich auf dieses Abkommen geeinigt und auf diese Prinzipien verständigt. Das ist angesichts der Lage in diesem Land ein deutlicher Fortschritt.


(Beifall bei der CDU/CSU sowie des Abg. Dr. Rolf Mützenich (SPD))


Man kann nun sagen, die Hisbollah habe sich durch die Verzögerung dieses Prozesses mit ihrer Blockadepolitik durchgesetzt. Ich glaube, dass das nicht ganz richtig ist, sondern dass die Minderheit durch diesen Kompromiss, durch dieses Abkommen, durch diesen Prozess in die Pflicht genommen worden ist und dass das im Libanon geltende Konsensprinzip nicht länger von der Hisbollah gegen das nationale Interesse des Libanon instrumentalisiert werden kann.


Wir müssen die Politik der syrischen Regierung weiter kritisch begleiten und Syrien ermutigen, eine konstruktive Rolle in diesem Prozess zu spielen. Es ist richtig, dass es ohne eine konstruktive Rolle Syriens nicht wird gehen können. Deswegen ist es ein gutes Signal, dass Syrien jetzt nach langer Zeit seine Bereitschaft erklärt hat, mit dem Libanon diplomatische Beziehungen aufzunehmen. Unsere Syrien-Politik ist von zwei wesentlichen Prinzipien geprägt: Zum einen muss das Maß der Kooperation mit Syrien davon abhängen, wie sehr Syrien selber zu einem konstruktiven Beitrag in der Region, insbesondere in Bezug auf seine Beziehungen zum Libanon, bereit ist, und zum anderen: Wenn wir als Europäer Erfolg haben wollen, dann müssen wir bereit sein, Syrien gegenüber mit einer Stimme zu sprechen.


(Beifall bei der CDU/CSU)


Es gibt einige Aspekte, die bei allem Positiven genannt werden müssen. Wir erwarten von Syrien die Freilassung der unzähligen libanesischen Gefangenen aus syrischen Gefängnissen, die Aufklärung über das Schicksal der Verschwundenen, die Bereitschaft Syriens, sich aus den inneren Angelegenheiten des Libanon herauszuhalten und die Souveränität des Libanon anzuerkennen.


Wie groß das internationale Interesse am Frieden im Libanon ist und wie groß die Bereitschaft der internationalen Gemeinschaft ist, sich an UNIFIL zu beteiligen, zeigt die beeindruckende Liste von 26 teilnehmenden Nationen.


Wenn die Linke glaubt, der Bundesregierung, den sie tragenden Fraktionen und in diesem Fall auch den Grünen die Militarisierung der Außenpolitik unterstellen zu müssen, dann kann sie die Frage bei ihren Besuchen in China, in Kroatien, in Mazedonien, in Guatemala, in Malaysia, in Irland, in Indien, in Polen oder in Korea stellen, ob auch diese Nationen tatsächlich an einer Militarisierung ihrer Außenpolitik interessiert sind und sich deswegen an UNIFIL beteiligen. UNIFIL ist eine wichtige Mission, gerade weil der beschriebene Prozess fragil ist, gerade weil dieser Prozess unsere Unterstützung verdient, nicht nur für die Menschen dort - für sie zu allererst -, aber auch deshalb, weil er in unserem Interesse ist; denn die Region liegt - deswegen heißt sie Naher Osten - direkt vor unseren Grenzen. Erneute Kriegshandlungen bedrohen die Sicherheit auch Europas. Deswegen gibt es viele gute Gründe, dieser Mission zuzustimmen. Ich darf noch einmal an die FDP appellieren, es sich zu überlegen und mit Ja zu votieren.

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)